Vom Minijob in die Altersarmut?

Lörrach. (no) Auf die Fragestellung des Themas der Veranstaltung („Vom Minijob in die Altersarmut?“) hatte die Professorin Cornelia Helfferich von der Evangelischen Hochschule Freiburg eine kurze und prägnante Antwort parat: „Jede Subventionierung von Niedriglohnarbeit führt zu Altersarmut, von der vor allem Frauen betroffen sind“.

Doch bot die Referentin, die als Mitautorin des Ersten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung auf Einladung des SPD-Kreisverbands, der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände im Landkreis, des DGB-Kreisverbands wie seiner Gewerkschaften ver.di und IG Metall, des VdK sowie der Katholischen Arbeitnehmerbewegung am Donnerstag ins Alte Wasserwerk/SAK nach Lörrach gekommen war, eine umfassende Analyse der Nachteile im Berufsleben und bei der Alterssicherung, unter denen vornehmlich Frauen zu leiden haben.

Dabei ging sie von den Bildungsverläufen und den Erwerbsbiografien, also den oft unterschiedlichen und nicht immer ursprünglich so geplanten Verläufen des Arbeitslebens aus. Unterbrechungen der Ausbildung oder der Erwerbsarbeit – zum Beispiel wegen der Geburt eines Kindes oder der Pflege eines Angehörigen – führten zu sogenannten „Narbeneffekten“, also zu langfristigen Nachteilen und verminderten Aufstiegschancen, die auch während des späteren Arbeitslebens nicht mehr kompensiert werden könnten. Zudem führe eine Trennung vom Partner oft zu einem höheren Armutsrisiko.
Um die Gleichstellung von Frauen voranzubringen, forderte Prof. Helfferich einen gleichberechtigten Zugang von Frauen zu allen Berufen, umgekehrt aber auch einen verbesserten Zugang von Männern zu sogenannten Frauenberufen. Unter allen Umständen müsse eine höhere Qualifizierung und Bezahlung dieser bislang frauentypischen Berufe erreicht werden.
Da die Hausfrauenehe ein absolutes Auslaufmodell sei und das Scheidungsrisiko heute höher als früher sei, müssten unbedingt alle Frauen in die Lage versetzt werden, für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen und eine eigenständige soziale Sicherheit mit ausreichender Rente im Alter aufzubauen. Dies habe interessanterweise in den skandinavischen Ländern sogar zu einer höheren Geburtenrate geführt.
Ein solches System funktioniere jedoch nur, wenn durch die Politik die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet sei. Dazu müssten dann aber auch die entsprechenden Einrichtungen für Kinderbetreuung und Schule zur Verfügung stehen. Das geplante Betreuungsgeld bezeichnete die Referentin indes als „keine gute Entscheidung“.
Ebenso wichtig seien flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, seine Arbeitszeit nach einer Unterbrechung oder Teilzeitbeschäftigung wieder voll aufzustocken. Dabei dürften solche Auszeiten oder zwischenzeitliche Teilzeitbeschäftigungen weder laufbahnschädlich sein, noch später zu Nachteilen bei der Alterssicherung führen. Die Verfasser/-innen des Gleichstellungsberichts hätten in ihrem Bericht zwar keine konkreten Forderungen nach einer grundlegenden Reform unseres Rentensystems aufgestellt, doch sei ihnen bewusst gewesen, dass ihre Forderungen ohne eine solche Reform kaum umzusetzen seien.

Außerdem sei ihnen klar gewesen, dass Niedriglohnbeschäftigungen, da sie vornehmlich Frauen beträfen, ebenfalls ein schwerwiegendes Gleichstellungshindernis darstellten. Dabei müsse man zudem in Betracht ziehen, dass regulär entlohnte und deshalb auch sozialversichungspflichtige Frauenarbeitsverhältnisse zur Stabilisierung unserer Sozialsysteme beitrügen. Gleichstellungspolitik sei schließlich auch Bestandteil moderner Innovationspolitik.
Allerdings stellte Prof. Helfferich am Ende ihres Vortrags fest, dass Gleichstellung einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung unter Einbindung unterschiedlicher Akteure bedürfe.
Die anschließende Diskussion wurde vom früheren Leiter des SWR-Studios in Lörrach, Johannes Kehm, moderiert. Dabei wurde kritisch hinterfragt, ob unser gegenwärtiges Bildungssystem überhaupt geeignet sei, Benachteiligungen abzubauen und mehr Chancengleichheit zu gewährleisten.

Bild: privat
Von rechts nach links: Die Referentin Prof. Dr. Cornelia Helfferich (Freiburg i. Br.), der Moderator, Johannes Kehm (Schopfheim-Wiechs), das SPD- Kreisvorstandsmitglied und Initiatorin der Veranstaltung, Christa Rufer (Lörrach-Haagen)

Katja Mast: Betreuungsgeld ist und bleibt ein Rückfall in die familienpolitische Steinzeit

Zum heutigen Beschluss des Bundeskabinetts zur Einführung eines Betreuungsgeldes erklärt SPD-Generalsekretärin Katja Mast

"Das heute vom schwarz-gelben Bundeskabinett verabschiedete Betreuungsgeld ist und bleibt ein Rückfall in die familienpolitische Steinzeit. Es hält gerade die Kinder von Bildung und Betreuung fern, die diese besonders brauchen. Und es hält Frauen von der Berufstätigkeit fern.

SPD-Chef Nils Schmid im Kurzinterview: Bitterer Tag für Schlecker-Mitarbeiter

Heute wurde das Aus von Schlecker endgültig besiegelt. Was sagst Du dazu?

Das ist ein bitterer Tag für die Schlecker-Mitarbeiter in ganz Deutschland. Es zeigt sich, dass eine Transfergesellschaft vor zwei Monaten der richtige Weg gewesen wäre, die Pleite in diesem Ausmaß abzuwenden. Das hat aber die FDP verhindert.

Wie meinst Du das?

Nachdem die FDP die Transfergesellschaft kaltschnäuzig verhindert hat, gab es tausende Kündigungsschutzklagen. Das hat es dem Insolvenzverwalter jetzt unmöglich gemacht, einen neuen Investor zu finden.

Ist also die FDP Schuld an der Pleite von Schlecker?

Nein, das hat Anton Schlecker und sein katastrophales Management zu verantworten. Aber dass die Rettung misslang, ist die erhebliche Schuld von Philipp Rösler und seiner FDP.

Bürgerinitiative erklärt sich

Interessengemeinschaft beleuchtet bei der SPD ihre Ziele.

 

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