Seltsame Gegenstände suchten Liebhaber. Bei der "Bring und Hol"-Aktion in der Isteiner Festhalle, veranstaltet von der SPD Efringen-Kirchen fanden sie sich wieder: Dinge, die die Welt nicht braucht.
Als Deko-Utensilien schlugen dann nach und nach die Merkwürdigkeiten auf. Einen mittelgroßen Rheinkiesel hatte ein Künstler zu einem etwas deprimiert dreinblickenden Fisch umgemodelt, der aufgespießt auf einem Draht über einem Holzscheibenstandfuß imaginäre Schwimmbewegungen auf dem Trockenen vollführte. Und wer, bitte, bringt aus dem Griechenland-Urlaub eine Glasvase in Gestalt eines freundlich lächelnden Armeeangehörigen mit nach Hause?
Helfer Felix Schweizer zauberte einen großen pink-plüschigen Flamingo aus einem Karton, der praktischerweise gummiartig verbiegbar und damit entsprechend anschmiegsam war. Als "Ansichtskarte aus Solingen" entpuppte sich diesmal nicht wie bei Bud Spencer in "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" eine feine klassische Klinge aus der Messerstadt, sondern ein makelloses Profi-Haarschneide-Set in der Originalverpackung aus den 50er Jahren. Eine Sammlung gerahmter religiöser Bilder lud zum Rätselraten ein. Denn diese Reproduktionen hingen wohl einst in einem Privathaus, "vielleicht im Herrgottseck über dem Küchentisch", mutmaßte ein Flohmarktfan. Eine Falt-Kopfstütze fürs Sonnenbad gab es in Originalverpackung. Den "Song aus Beton" spielte ein aus Stahl geformter Metal-Rocker auf einer silberpolierten Metallgitarre.
Braune Lackstiefel aus einem Guss mit XXXL-Plateausohlen animierten zu lockeren Kommentaren – "das war der Voll-Fail in Sachen Kauf, damit ist man nicht nur kurzzeitig größer, man bekommt das Abo zum dekorativen Hinfallen gleich mit", amüsierte sich eine Isteinerin. In der LP- und CD-Ecke hatte jemand eine Single-Sammlung abgegeben. Peter Alexander lachte einem aus seiner "kleinen Kneipe" noch ungefotoshopped jugendlich frisch auf dem Cover entgegen, nebendran auf der Nachbarcoverhülle schrammelte die brav frisierte Nicole für das, was sich gerade jeder wünscht, nämlich "Ein bisschen Frieden". Die langhaarig bemähnten Bee Gees blickten einem mit "Stayin‘ Alive" tief in die Augen und eine Rarität der besonderen Art war die Single mit Kölner-Dom-Aufdruck im Festglanz mit dem Titel "Glocken deutscher Dome läuten die Weihnacht ein" aus dem Jahr 1963. Tracklist unter anderem: Kölner Dom, Hamburger Michaelikirche, Kaiserdom zu Speyer, Ulmer Münster, Bamberger Dom, Passauer Dom – und hurra – Freiburger Münster! Zweimal hinsehen musste man bei einer opulenten Sektflasche, die laut Aufdruck den Jahreswechsel 2000 feierte. Täuschend echt war die Flasche, die aber nicht aus Glas, sondern aus Wachs bestand, samt Docht zum Erhellen der Silvesternacht.
Witzigerweise haben doch immer wieder einige der "Abholer" ein Herz für Seltsames – und sei es vielleicht nur als Spaß-Geschenk für Freunde. Tatsächlich wurden alle genannten Gegenstände mitgenommen. Nur ungläubige Blicke bekam hingegen der ikonische Tadj Mahal als Miniatur-Gesamtkunstwerk für den Schreibtisch oder die Anrichte: Das Artefakt gehörte zu jenen Seltsamkeiten, die keinen neuen Besitzer fanden.
Veröffentlicht in der Badischen Zeitung vom 26.10.2026

